Nach Selfie-Spruch: Shirin David wirft dem „Stern“ Abwertung von Frauen vor
Shirin David wehrt sich gegen einen Meinungsbeitrag des „Stern“, der ihre Kritik an der Netflix-Dokumentation „Barbara – Becoming Shirin David“ aufgreift. Besonders die Empfehlung, künftig lieber Selfies zu veröffentlichen, wertet sie als Abwertung von Frauen, die öffentlich widersprechen und ihre Darstellung selbst bestimmen wollen. Auch die nachträgliche Erklärung des Magazins überzeugt sie nicht.
Weibliche Stimmen abgewertet: Shirin erkennt altes Muster
Shirin David stört sich nicht allein an der Kritik des Autors, sondern vor allem an der gewählten Sprache. Für sie knüpft die Formulierung an ein gesellschaftliches Rollenbild an, in dem Frauen zwar öffentliche Aufmerksamkeit erhalten dürfen, aber möglichst nicht die Deutung über ihre eigene Geschichte beanspruchen sollen. In ihrer Instagram-Story beschreibt sie ihren zentralen Vorwurf so:
„sprache prägt gesellschaft. wenn ein journalist eine frau, die öffentlich kritik äußert, sinngemäß auffordert, doch lieber hübsch auszusehen und selfies zu posten, bedient er ein jahrhundertealtes muster: frauen dürfen sichtbar sein - aber nur solange sie nicht zu laut werden, widersprechen oder deutungshoheit beanspruchen.“
Die Verantwortung sieht Shirin dabei nicht nur beim Verfasser. Auch das Magazin müsse sich fragen, welche Maßstäbe es mit einem solchen Beitrag festige.
Kontrolle als Makel: Unterschiedliche Maßstäbe für Frauen
Ausgangspunkt des Kommentars war Shirins Unzufriedenheit mit „Barbara – Becoming Shirin David“. Sie hatte kritisiert, dass die Netflix-Produktion ihre Geschichte nicht authentisch wiedergebe und sie vor allem als überforderte Frau inszeniere. Dass ihr Wunsch nach Einfluss auf die Darstellung nun als persönliches Defizit ausgelegt werde, hält sie für einen geschlechtsspezifischen Doppelstandard.
Shirin stellt dem die Bewertung erfolgreicher Männer gegenüber:
„männliche kontrolle wird als autorität gelesen. weibliche kontrolle als kontrollzwang. männlicher perfektionismus = genialität. weiblicher perfektionismus = schwieriger charakter.“
Gerade bei einer Dokumentation über das eigene Leben sei es legitim, sich mit der Auswahl und Einordnung des verwendeten Materials auseinanderzusetzen.
Selfie als Metapher: Stern verteidigt die Wortwahl
Der „Stern“ erklärte in einem Kommentar, die Selfie-Formulierung habe sich auf die Kontrolle über selbst erstellte Inhalte bezogen. Das Geschlecht von Shirin sei kein Bestandteil der Argumentation gewesen. Das Magazin schrieb dazu:
„Über ein Selfie hat man Kontrolle, über Fremd-Dokumentationen nicht – das ist die Metapher zur Argumentation des Textes. Die Tatsache, dass Shirin David eine Frau ist, ist nicht Bestandteil der Argumentation, auch nicht indirekt.“
Shirin weist diese Begründung zurück. Entscheidend sei nicht, ob eine Formulierung nachträglich als Metapher bezeichnet werde, sondern welches gesellschaftlich geprägte Bild sie hervorrufe.
Gelöschte Kommentare: Unterstützung trifft auf neue Kritik
In weiteren Storys teilte Shirin zahlreiche Reaktionen, in denen Frauen ähnliche Erfahrungen aus ihrem Berufsleben schilderten. Einige Nutzerinnen gaben außerdem an, dass kritische Kommentare auf dem Social-Media-Auftritt des Magazins entfernt worden seien. Zu den vielen Zuschriften erklärte Shirin:
„Wie immer lese ich eure Gedanken und Nachrichten und lerne noch dazu ! 🫂💕“
Shirin wurde 2017 als Jurorin bei „Deutschland sucht den Superstar“ einem großen Fernsehpublikum bekannt und war 2023 sowie 2025 Coach bei „The Voice of Germany“. Ob der „Stern“ seine Verteidigung nach der anhaltenden Kritik noch einmal überarbeitet, bleibt offen. Klar ist bereits: Aus einer Auseinandersetzung über eine Dokumentation ist eine breitere Debatte über Sprache, Kontrolle und die Bewertung erfolgreicher Frauen entstanden.



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