Set-Psychologin packt aus: So echt sind die Dramen im Reality-TV wirklich

Sind die heftigen Streitereien, Tränen und Liebesdramen im Reality-TV wirklich echt oder wird hinter den Kulissen alles inszeniert? In der neuesten Folge ihres Podcasts „Amira +1“ spricht Amira Aly mit ihrer Freundin Hülya Öztürk-Arens, die als psychologische Psychotherapeutin bereits Produktionen wie „Ex on the Beach“, „Beauty & The Nerd“ und „Promis unter Palmen“ begleitet hat. Dabei gewährt die Set-Psychologin ungewöhnliche Einblicke in den Drehalltag, verrät, wie häufig Kandidaten psychologische Hilfe benötigen, und erklärt, warum manche Teilnehmer trotz erheblicher psychischer Belastungen weiterhin vor der Kamera stehen.
Werden Realityshows von den Produktionen geskriptet?
Eine der größten Fragen der Reality-TV-Fans beantwortet Hülya ziemlich eindeutig: Zumindest bei den Produktionen, die sie selbst begleitet hat, seien die Konflikte nicht von der Produktionsseite vorgeschrieben worden.
„Ich hab's nicht mitbekommen bei Produktionen von Produktionsseite, dass da irgendwas geskriptet war“, stellt sie klar. Auch konkrete Anweisungen, bestimmte Personen zu küssen oder gezielt Konflikte auszulösen, habe sie nicht erlebt.
Allerdings bedeutet das nicht, dass sich sämtliche Teilnehmer vor der Kamera genauso verhalten wie im Privatleben. Schließlich gehe es für viele Kandidaten um Reichweite, Sendezeit und weitere Fernsehauftritte. Manche würden deshalb bewusst extremer auftreten, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Die wollen fürs nächste Format gebucht werden. Die wollen ihre Sendezeit haben, damit sie bei Instagram eine größere Reichweite aufbauen“, erklärt die Psychotherapeutin.
Hinzu komme, dass sich Kandidaten untereinander möglicherweise absprechen könnten. Von gezielt vorgeschriebenen Handlungen durch die Produktionsfirmen berichtet Hülya jedoch nicht.
Alkohol, Schlafmangel und fehlende Rückzugsmöglichkeiten
Warum eskalieren Situationen in Realityshows dann so häufig? Laut Hülya liegt das vor allem an den besonderen Bedingungen während der Dreharbeiten.
„Es ist kein Handy, es ist kein Rückzugsort. Du bist da mehrere Wochen mit Leuten, die du gar nicht kennst. Es ist viel Alkohol, es ist sehr wenig Schlaf teilweise.“
Diese Kombination könne dazu führen, dass selbst kleine Konflikte ungewöhnlich heftige Reaktionen auslösen. Die Gefühle seien dabei durchaus echt, auch wenn sie vor dem Fernseher häufig übertrieben wirkten.
Interessant ist auch ihre Aussage zum Alkoholkonsum. Während Zuschauer gelegentlich vermuten, dass Produktionsfirmen bewusst möglichst viel Alkohol bereitstellen, schildert Hülya teilweise das Gegenteil.
„Teilweise ist es sogar so, dass die Produktionen schauen, dass man nicht zu viel Alkohol reingibt. Einfach damit es nicht zu doll kracht.“
Der Grund: Zu heftige Eskalationen seien auch für die Produktionen problematisch. Schließlich stecke hinter den Shows eine aufwendige Organisation mit erheblichen wirtschaftlichen Interessen.
Set-Psychologin verrät: So oft brauchen Kandidaten wirklich Hilfe
Hülya berichtet außerdem, wie ihre Arbeit während einer Realityproduktion konkret aussieht. Bei Dreharbeiten mit ungefähr 20 Kandidaten sei teilweise nur eine psychologische Fachkraft vor Ort. Der tatsächliche Betreuungsbedarf unterscheide sich allerdings erheblich von Format zu Format.
„Wenn ich jetzt einen Durchschnitt angeben müsste, würde ich sagen, habe ich auf zwei Wochen vielleicht 15 Gespräche“, erklärt sie. Die Gespräche dauerten häufig zwischen 30 und 60 Minuten.
Während einige Kandidaten die Betreuung überhaupt nicht in Anspruch nähmen, gebe es auch Teilnehmer, mit denen sie täglich sprechen müsse.
Das häufigste Problem sei Überforderung. Manche Kandidaten wüssten während der Dreharbeiten nicht mehr, ob sie weitermachen oder lieber nach Hause fahren möchten. Auch Panikattacken gehörten zu den Themen, mit denen sie konfrontiert werde.
Die psychologische Betreuung ende zudem nicht automatisch mit dem Ausscheiden aus einer Sendung. Hülya besucht ausgeschiedene Kandidaten nach eigenen Angaben auch im Hotel und bietet weitere Gespräche an.
Besonders wichtig sei die Zeit während der späteren TV-Ausstrahlung. Erst dann würden die Teilnehmer erfahren, wie sie zusammengeschnitten wurden und welche Reaktionen ihr Verhalten in der Öffentlichkeit auslöst.
„Ich rufe immer alle Kandidaten an, frage nach und biete Gespräche an“, berichtet sie. Nach ihrer Erfahrung werde dieses Angebot praktisch bei jeder von ihr begleiteten Produktion mindestens einmal in Anspruch genommen.
Psychisch belastete Kandidaten: Warum dürfen sie trotzdem teilnehmen?
Besonders brisant wird das Gespräch bei der Frage, warum gelegentlich auch Kandidaten mit erheblichen psychischen Belastungen an Realityshows teilnehmen.
Hülya erklärt, dass nicht bei jeder Produktion bereits vor dem Casting eine psychologische Eignungsprüfung stattfindet. Bei manchen Formaten werde sie erst hinzugezogen, wenn die Teilnehmer längst feststehen.
„Das heißt, du kannst gar nicht mehr sagen, hey, da müssen wir aufpassen, die Person würde ich nicht mit reinnehmen.“
Bei anderen Produktionen werde dagegen schon im Vorfeld untersucht, ob beispielsweise psychische Vorerkrankungen oder frühere Mobbingerfahrungen bestehen und ob die Teilnahme für die betreffende Person zumutbar erscheint.
Die Psychotherapeutin schildert außerdem, dass manche Betroffene ganz bewusst an einer Realityshow teilnehmen möchten, obwohl sie um ihre gesundheitlichen Belastungen wissen. Sie wollten auch zeigen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen im Fernsehen sichtbar sein dürfen.
Dennoch sieht Hülya die Verantwortung der Produktionen kritisch, wenn mögliche Risiken nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Kann eine Set-Psychologin Kandidaten aus der Show nehmen?
Auch bei der Frage nach möglichen Abbrüchen macht Hülya eine wichtige Einschränkung deutlich. Zwar könne sie der Produktion empfehlen, einen Kandidaten aus psychologischen Gründen nicht weiter teilnehmen zu lassen. Die endgültige Entscheidung treffe sie aber nicht selbst.
„Das letzte Wörtchen, das spreche ich nicht“, stellt sie klar.
Ihre Einschätzungen würden nach ihren bisherigen Erfahrungen von den Produktionen allerdings ernst genommen. Gleichzeitig komme es vor, dass Kandidaten trotz psychischer Belastungen ausdrücklich weitermachen möchten.
Eine klare Grenze sieht sie insbesondere bei Mobbing, körperlichen Übergriffen und Situationen, in denen die psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigt wird. Streit und Tränen gehörten zwar zum Genre, dürften aber nicht jede Form der Belastung rechtfertigen.
Warum Frauen immer wieder auf bekannte Reality-Player hereinfallen
Zum Abschluss widmen sich Amira und Hülya einem Phänomen, das besonders aus Datingformaten bekannt ist: Warum verlieben sich Kandidatinnen immer wieder in Männer, deren Verhalten gegenüber Frauen aus früheren Shows bereits bekannt ist?
Hülya erklärt, dass die besondere Umgebung eine entscheidende Rolle spiele. Konkurrenzdruck, ständige Aufregung und intensive Aufmerksamkeit könnten dazu führen, dass Gefühle stärker wahrgenommen oder falsch eingeordnet werden.
Dazu komme die Hoffnung, ausgerechnet bei einem selbst werde sich der bekannte Frauenheld anders verhalten.
Auch wechselnde Zuneigung könne eine besonders starke Bindung auslösen. „Unsicherheit bindet stärker als Sicherheit“, erklärt die Psychotherapeutin. Wer abwechselnd Aufmerksamkeit und Zurückweisung erfahre, suche häufig besonders intensiv nach dem nächsten positiven Moment.
Für Amira ist das Thema auch persönlich: Sie gesteht, in ihrer Jugend selbst eine ausgeprägte Schwäche für sogenannte Bad Boys gehabt zu haben.
Hülyas Fazit aus ihrer Arbeit hinter den Kulissen: Die Emotionen im Reality-TV sind oftmals deutlich echter, als Zuschauer vermuten. Die außergewöhnlichen Drehbedingungen, der Wunsch nach Aufmerksamkeit und die spätere Zusammenstellung der Szenen können jedoch dafür sorgen, dass das Geschehen auf dem Bildschirm wesentlich dramatischer erscheint.
Quelle: Podcast „Amira +1“, Folge „Amira + Hülya Arenz: Wie fake ist Reality?“, veröffentlicht am 20. Oktober 2026.
Verwendete Quellen
- podimo.com:Podimo Podcast Amira + 1
Transparenzhinweis: Dieser Text entstand mit Hilfe künstlicher Intelligenz und wurde redaktionell geprüft. Hinweise gern an admin@realitystar.de.

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